EU-Trilog zur „Chatkontrolle" wird fortgesetzt: Scanpflicht gestrichen, Altersverifikation kehrt zurück
Inhaltsverzeichnis
- Was gerade passiert ist
- Was im aktuellen Entwurf steht
- Warum das für Browser-Werkzeuge zählt
- Was als Nächstes ansteht
Was gerade passiert ist
Die Trilogverhandlungen zur EU-Verordnung gegen sexuellen Kindesmissbrauch (CSAR), allgemein „Chatkontrolle” genannt, wurden am 4. Mai 2026 unter dänischer Ratspräsidentschaft wieder aufgenommen. Die nächste Runde ist für den 11. Mai 2026 angesetzt. Den Gesprächen voraus ging das Auslaufen der freiwilligen Übergangsregelung am 3. April, deren Verlängerung das Europäische Parlament mit 311 zu 228 Stimmen ablehnte.
Was im aktuellen Entwurf steht
Der Ratstext enthält keine ausdrückliche Pflicht mehr, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung durch verpflichtendes Client-Side-Scanning aufzubrechen. Stattdessen sollen Anbieter Risiken bewerten und mindern. Derselbe Entwurf führt eine verpflichtende Altersverifikation für Messenger-Apps, E-Mail-Dienste und App-Stores ein. Kritiker wie Patrick Breyer und Tuta warnen, dass damit ein regulatorischer Pfad zu breitem Scanning unter dem Deckmantel der „Freiwilligkeit” erhalten bleibt und anonyme Kommunikation für Erwachsene faktisch abgeschafft wird.
Warum das für Browser-Werkzeuge zählt
Die Debatte verschiebt sich strukturell. Gesetzgeber wie Anbieter nähern sich der Einsicht an, dass in die Architektur eingebaute Datenschutzgarantien, etwa die Verarbeitung im Browser oder direkt auf dem Gerät, dauerhafter sind als rein politische Zusagen. Werkzeuge, die Nutzerdateien nie an einen Server übermitteln, können nicht dazu verpflichtet werden, sie ruhend zu scannen, und liegen außerhalb jeder künftigen Anordnung zur Inhaltserkennung bei der Übertragung. Dasselbe gilt für die Schwärzung von PDFs, das Entfernen von EXIF-Daten aus Bildern und Textkonvertierungen. Verlässt die Datei das Gerät nicht, schrumpft die rechtliche Angriffsfläche.
Was als Nächstes ansteht
Die dänische Präsidentschaft strebt eine politische Einigung vor dem Ende ihrer Amtszeit am 30. Juni 2026 an, ein endgültiger Kompromiss wird zwischen Juni und Juli erwartet. Die Position des Parlaments von November 2023 lehnt allgemeines Client-Side-Scanning weiterhin ab. Der Ausgang des Trilogs hängt damit davon ab, ob Altersverifikation, App-Store-Auflagen und „freiwillige” Erkennung im Endtext bestehen bleiben.
Quellen
- Kritik an der Chatkontrolle, Tuta-Blog
- Chatkontrolle, Patrick Breyer
- Chat Control Is Dead. Long Live Chat Control, State of Surveillance
- Halbguter neuer dänischer Chatkontrolle-Vorschlag, Patrick Breyer
- EU-Update zur Chatkontrolle, Captain Compliance
- EU einigt sich auf freiwilliges Scanning, TechRadar
- Mehr Überwachung, aber kein besserer Schutz, Max-Planck-Gesellschaft
- Chat Control, Wikipedia